Warum nicht perfekt perfekt ist
- Nathalie Buchhage
- 26. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Feb.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll. Weil man als Fotografin ja irgendwie „funktionieren“ muss. Die eigenen Hunde sollten vorzeigbar sein. Perfekt abrufbar. Dauerhaft frei laufen. Immer happy, immer fokussiert, immer Instagram-tauglich. Hübsch, nie dreckig ... das ganze Blabla.
Funfact: Sind meine Hunde nicht.
Meine Hunde sind nicht perfekt.

Blacky kann nicht überall frei laufen. Nicht, weil er „schwierig“ ist. Nicht, weil ich ihn nicht im Griff habe. Sondern weil er jagdlich interessiert ist. Weil er aus dem Tierschutz kommt und seine Geschichte mitbringt. Weil er seit Eevee da ist aufgetaut ist und seinen Trieb entdeckt hat. Und das ist gut. Das ist schön. Aber deswegen kann ich ihn nicht immer ableinen oder er ist mit dem Kopf einfach irgendwo anders.
Und das ist okay!

Eevee hatte gesundheitliche Baustellen und ist generell ein Kommando-unmotivierter, Urhund-Diskussionstypischer Husky-Mix. Mein Wort ist eine nette Option, mit Keks etwas aussagekräftiger. Sie hat ihren eigenen Kopf. Sie musste Babys aufziehen und Verantwortung tragen - selbstredend gibt sie diese Verhaltensweisen nicht einfach nach der Adoption auf!
Und das ist okay!
Manchmal haben sie keine Lust. Manchmal finden sie Rehe spannender als mich. Manchmal ist die Umwelt einfach größer als ihr Fokus. Dann wollen sie nicht gucken.

Und ganz ehrlich? Das ist Hund.
Perfektion ist eine Illusion
In den sozialen Medien sieht man oft nur die 0,3 Sekunden, in denen alles passt. Der Hund schaut perfekt in die Kamera. Die Ohren stehen. Die Rute ist locker. Der Hintergrund glüht im Abendlicht.
Was man nicht sieht:
die Schleppleine außerhalb des Bildausschnitts
das Rascheln mit der Leckerlitüte
die 40 Versuche davor
die Pause zwischendurch
das „Okay, heute reicht’s“
Und genau da passiert Fotografie. Nicht im perfekten Moment – sondern im echten.

Dein Hund muss nichts können!
Er muss nicht:
frei neben dir herlaufen
dauerhaft Sitz & Bleib halten
fremde Hunde ignorieren
Menschen lieben
100 % abrufbar sein
„funktionieren“
Er darf jagen wollen. Er darf unsicher sein. Er darf hibbelig sein. Er darf denken. Er darf Grenzen haben. Und er darf Nein sagen!
Das macht ihn nicht schlechter. Das macht ihn lebendig.

„Aber meiner kann nicht ohne Leine.“
Ganz viele Kunden sagen mir vor einem Shooting: „Ohje, meiner kann nicht frei laufen.“
Ich muss jedes Mal lächeln.
Leine kann man retuschieren. Unsicherheit nicht.
Ich arbeite mit Shootingleinen oder du bringst deine eigene mit. Ich arbeite mit Distanz, Geduld, Ruhe.
Ich nehme mir Zeit, beobachte und warte. Ich zwinge nichts.
Ein Hund, der sich sicher fühlt, sieht automatisch gut aus. Ein Hund, der atmen darf, zeigt Charakter.
Und Charakter ist viel schöner als Gehorsam!
Die schönsten Bilder entstehen nicht, wenn alles glatt läuft. Sondern wenn du deinen Hund anschaust, wie er ist. Vielleicht steht er wachsam da. Vielleicht liegt er lieber. Vielleicht springt er herum. Vielleicht schaut er in die Ferne statt in meine Kamera.
Dann fotografiere ich genau das.

Ich fotografiere nicht den idealen Hund. Ich fotografiere deinen Hund!
Und meine Hunde? Sie sind mein größter Spiegel. Sie erinnern mich täglich daran, dass Entwicklung nicht linear ist. Dass Training nicht immer Fortschritt bedeutet. Dass gute Tage und schlechte Tage dazugehören. Und dass ich auch mal genervt sein kann, weil etwas nicht so klappt, wie ich es gern hätte. Dass ich oft endlos frustriert bin, weil es schlicht schwer ist, meine Hunde zu schicken, zu packen UND dann noch Fotos zu machen. Alles gleichzeitig ist eine Kunst für sich und ja, auch genervt sein ist mal normal! Wir sind alle nicht perfekt und ganz ehrlich? Perfekt ist langweilig.

Du darfst kommen, wie ihr seid
Wenn du also denkst:
„Er ist noch nicht so weit.“
„Sie ist manchmal unsicher.“
„Er hört nicht immer.“
„Sie kann nicht ohne Leine.“
Dann sage ich dir: Perfekt. Genau so! Bitte unbedingt genau so!

Dein Hund muss nicht perfekt sein, um fotografiert zu werden. Er muss nur er selbst sein. Und ich verspreche dir: Wir finden die Momente. Die Echten. Die Warmen. Die Leisen und Lauten. Die Magie im Moment, an die du dich noch Jahre später erinnerst.
Und am Ende wirst du Bilder haben, die nicht zeigen, wie perfekt dein Hund war –sondern wie sehr du ihn liebst.

Und zum Schluss: Alle Hunde hier in diesem speziellen Blogpost waren angeleint, teils angebunden zur Sicherheit (vor allem meine eigenen, wenn ich für ein Foto so weit weggehen muss), hatte Special Effects, wollten jagen, bellen, spielen, waren abgelenkt, reagierten auf andere Hunde, Menschen oder sonst was. Und es sind IMMER tolle Bilder entstanden!



























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