"Komm, wir kuscheln fürs Foto!" – kein Hund, jemals.
- Nathalie Buchhage
- 24. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Mehrhundeshootings sind wunderschön.
Zumindest in der Vorstellung: zwei Hunde, die eng nebeneinander sitzen, sich vielleicht sogar anlehnen, beide schauen süß in die Kamera – fertig ist das perfekte Bild.
Nur… funktioniert das in der Realität selten so, wie man denkt.
Denn Nähe auf Kommando ist für viele Hunde ungefähr so angenehm, als würde ich von dir erwarten, ein spontanes Nacktfotoshooting mit deinem Partner zu machen. Sicherlich ist das zu Hause, im Privaten, kein Problem – aber in einer neuen Umgebung, während jemand mit einer großen schwarzen Kiste auf dich zielt und sich dabei komisch verrenkt? Klingt doch super entspannt, oder?
Das muss man üben. Und zwar rechtzeitig. Nicht einen Tag vorher.

Nur weil sie zu Hause kuscheln, heißt das gar nichts
Viele Halter sagen beim Vorgespräch: „Die zwei liegen ständig nebeneinander, das ist kein Thema.“
Doch sobald ich die Kamera zücke, passiert oft Folgendes: Einer schaut weg, der andere steht auf, einer schiebt sich nach hinten, und plötzlich steht man da – mit zwei perfekt erzogenen, aber komplett überforderten Hunden, die höflich sagen: „Nein danke, wir möchten jetzt keinen Körperkontakt.“
Und das ist völlig normal. Im Alltag entscheiden Hunde selbst, wann und wie sie Nähe möchten. Bei einem Shooting aber wird ihnen diese Entscheidung genommen – und das fühlt sich für viele einfach unhöflich an. In der Hundesprache ist Abstand nämlich etwas sehr Freundliches. Er bedeutet: Ich respektiere dich. Ich will keinen Stress.
Wenn wir also verlangen, dass sich zwei Hunde eng aneinander quetschen, obwohl die Situation neu, aufregend oder anstrengend ist, ist das in etwa so freundlich, wie wenn dich jemand auf einer Party ungefragt in den Arm nimmt, während du gerade dein Getränk verschüttest.

Abstand ist keine Unhöflichkeit – sondern Respekt
Ein gutes Gruppenfoto beginnt damit, dass jeder Hund sich wohlfühlen darf. Manchmal bedeutet das, dass sie eben nicht direkt nebeneinander sitzen. Und das ist völlig in Ordnung. Wenn sie lieber etwas Abstand halten, zeigt das einfach, dass sie ehrlich miteinander umgehen – und genau das kann wunderschön aussehen.
Denn nicht jedes gute Foto braucht Körperkontakt. Zwei Hunde, die sich mit einem Blick verstehen, erzählen oft mehr über ihre Beziehung als ein gestelltes „Köpfchen an Köpfchen“-Bild.
Aber wenn du dir echte Kontaktbilder wünschst, dann ist das nichts, was spontan klappt. Das muss aufgebaut werden – mit Ruhe, Vertrauen und Training. Ein Shooting ist kein Ort, um Nähe auf Kommando zum ersten Mal zu probieren. Je besser du das vorher übst, desto entspannter und natürlicher werden die Bilder am Ende.

Training vor dem Shooting, rechtzeitig
Ein Mehrhundeshooting klappt nicht, weil man „Sitz“ sagt. Es klappt, weil die Hunde gelernt haben, nebeneinander ruhig zu bleiben, auch wenn die Umgebung spannend ist.
Und das ist Training. Punkt.
Wenn du möchtest, dass deine Hunde beim Shooting nebeneinander sitzen, beginn früh genug. Nicht am Tag vorher, nicht eine Stunde vorher, sondern Wochen vorher.
Das kann so aussehen:
Gemeinsam warten üben: Beide sitzen oder liegen. Sie dürfen einfach sein, ohne Interaktion.
Langsam Nähe aufbauen: Erst einen Meter Abstand, dann 50 cm. Nicht gleich „Köpfchen an Köpfchen“.
Belohne Entspannung, nicht Gehorsam. Es geht nicht darum, dass sie „bleiben“, sondern dass sie sich wohlfühlen.
Auflösesignal verwenden. Damit wissen die Hunde, wann sie wieder Distanz schaffen dürfen. Das verhindert Stress.
Das ist kein Hexenwerk, aber es braucht Zeit. Und Geduld. Wer’s eilig hat, bekommt am Ende Fotos, auf denen beide Hunde aussehen, als würden sie innerlich die Minuten zählen, bis es vorbei ist.

Wie ich beim Shooting arbeite
Ich zwinge keinen Hund in Position. Ich schaue, was die Hunde selbst anbieten. Oft reicht schon eine minimale Bewegung, ein Blick, ein gemeinsamer Moment – und zack, das perfekte Foto entsteht, ohne dass jemand „mach mal kuschlig“ sagen muss.
Ich beobachte Körpersprache: Wer weicht wem aus, wer sucht Nähe? Daraus ergibt sich automatisch, wie weit sie zueinander passen. Manchmal lege ich sie über Perspektive optisch näher zusammen, manchmal nutze ich Bewegungsbilder oder gemeinsame Aktion – das wirkt lebendig und echt.
Und falls es wirklich gar nicht geht? Dann gibt’s eben Einzelbilder, die ich harmonisch zusammenfüge. Ehrliche Fotos sind mir wichtiger als erzwungene Nähe.

Real Talk: Nähe auf Kommando ist kein Zeichen von Bindung
Ich sag’s, wie es ist: Nur weil zwei Hunde nebeneinander sitzen können, heißt das nicht, dass sie sich besonders gut verstehen. Und nur weil sie sich beim Shooting lieber ein bisschen Platz lassen, heißt das nicht, dass sie sich nicht mögen. Bindung zeigt sich in Körpersprache, Blicken, kleinen Gesten – nicht in aufgesetztem Körperkontakt.
Kennt ihr diese Gruppenfotos aus der Schule oder dem Kindergarten, wo die Lehrerin ruft: „Und jetzt alle zusammenrücken und Cheeeeese!“ – und man steht da, mit einem fremden Ellbogen in den Rippen, einem gezwungenen Zahnpasta-Grinsen und diesem inneren „Bitte töte mich jemand“-Blick? So in etwa fühlen sich viele Hunde, wenn man sie beim Shooting einfach zusammensetzt und „Jetzt kuschelt mal!“ sagt.
Und wie läuft das bei einem echten Shooting mit Menschen? Man kommt vorbereitet, entspannt, und irgendwann passiert’s ganz von allein: Ein Blick, ein gemeinsames Lachen, eine Berührung – und plötzlich ist der Moment da. Kein Zwang, kein Kommando. Nur ehrliche Verbindung.
Bei Hunden ist es genauso. Wenn sie Nähe gelernt haben, wenn sie wissen, dass es nichts Bedrohliches ist, dann wollen sie auch. Dann lehnen sie sich an, bleiben ruhig – nicht, weil sie müssen, sondern weil sie sich sicher fühlen. Und genau diese Momente sind magisch.

Fazit: Nähe ist Vertrauen
Ein Mehrhundeshooting ist kein Gruppenfoto in der Schulklasse. Es ist ein Zusammenspiel aus Vertrauen, Timing und Respekt. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn man den Hunden zutraut, ihren eigenen Weg zu finden – und ihnen die Zeit gibt, Nähe in ihrem Tempo zu lernen.
Denn echte Nähe entsteht nicht durch Zufall, sondern durch Vertrauen, das man sich gemeinsam erarbeitet. Wenn du das vorher trainiert hast und deine Hunde wissen, dass Nähe nichts Bedrohliches ist, sondern etwas Schönes, dann wird es magisch. Dann sitzen sie nicht nebeneinander, weil sie müssen, sondern weil sie wollen.
Und genau das sieht man. Diese Art von Nähe ist echt – sie trägt Wärme, Stolz und Verbundenheit in sich. Und das macht die Fotos nicht nur schöner, sondern lebendig.




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