Wenn dein Ego wichtiger ist als dein Hund – warum Ehrlichkeit beim Shooting alles verändert!
- Nathalie Buchhage
- 12. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Ich sag’s mal ehrlich: Ein gutes Shooting ist Teamarbeit
Und das funktioniert nur, wenn alle Beteiligten entspannt und ehrlich sind – Mensch, Hund und ich als Fotografin.
Viele denken, ein Shooting heißt einfach: Hund hinstellen, Kamera raus, Klick, fertig. Aber so läuft das nicht.
Ich muss wissen, wer da vor mir steht. Wie tickt dein Hund? Hat er Angst vor fremden Menschen oder lauten Geräuschen? Ist er eher ruhig oder braucht Bewegung, um locker zu werden? Ist er mitten in der Pubertät und testet gerade, wie weit er gehen kann?
All das ist wichtig. Nicht, um ihn oder dich zu bewerten, sondern damit ich das Shooting so plane, dass es für euch beide angenehm ist. Ich kann mich gut anpassen – aber ich muss wissen, worauf.
Nicht jeder Hund fühlt sich in jedem Setting wohl, und das ist völlig in Ordnung. Es ist keine Schande, wenn dein Hund nicht mitten in der Stadt posieren kann, während um ihn herum Menschen, Kinderwagen und Geräusche sind. Oder wenn er sich auf einer vollen Wiese unwohl fühlt, weil zu viele Hunde vorbeikommen.
Aber ich muss das wissen.
Wenn du mir sagst: „Er braucht etwas Abstand“ oder „Er fühlt sich wohler, wenn niemand zu nah kommt“, kann ich das einplanen. Wenn du’s verschweigst, weil du denkst, „das kriegen wir schon hin“, bringst du am Ende nicht nur deinen Hund in eine unangenehme Situation, sondern auch mich als Fotografin an meine Grenzen.
Und das – ganz ehrlich – ist purer Egoismus.
Nicht aus Bosheit, sondern oft aus dem Wunsch heraus, dass alles perfekt wirken soll.
Perfektion entsteht nicht aus Druck.
Ich möchte, dass dein Hund sich sicher fühlt, und dass du dich wohlfühlst, wenn du siehst, wie ich mit ihm arbeite. Ein Shooting lebt von Vertrauen und Ehrlichkeit, nicht von Erwartungen oder falschem Ehrgeiz. Der schönste Hintergrund nützt nichts, wenn der Hund dabei Stress hat. Dann lieber ein ruhiger Ort mit echtem Ausdruck – denn das sieht man auf den Bildern.

Bitte kein Marathon vor dem Shooting
Ein Fehler, den viele gar nicht auf dem Schirm haben: den Hund vor dem Shooting völlig auszupowern. Ein Spaziergang ist natürlich sinnvoll, aber er sollte eher zum Ankommen und Lösen da sein – nicht, um den Hund müde zu machen. Ich möchte keinen ausgelaugten Hund vor der Kamera, sondern einen, der Bock auf die Welt hat. Einen, der noch Interesse zeigt, neugierig ist und Spaß daran hat, etwas mit seinem Menschen zu machen.
Wenn dein Hund vor Energie sprüht, ist das völlig in Ordnung. So eine Energie kann ich wunderbar nutzen, um echte Ausdruckskraft festzuhalten. Viel lieber ein Hund, der aufgeregt wedelt und mitdenkt, als einer, der innerlich schon abgeschaltet hat. Denn ein gelangweilter Hund ist zwar ruhig, aber nicht präsent – und genau das merkt man auf den Bildern.
Was viele vergessen: Ein Shooting ist kein Spaziergang, sondern mentale Arbeit. Neue Umgebung, unbekannte Gerüche, meine Stimme, deine Körpersprache, dazu Kommandos und Kamera – das alles fordert Konzentration. Wenn dein Hund direkt aus der Hundeschule, vom Mantrailing oder einem langen Ausflug kommt, ist er oft geistig einfach leer. Er macht vielleicht noch mit, aber die Freude fehlt.
Das ist, als würde ich dich nach zwei Stunden Schlaf, einem achtstündigen Arbeitstag und dem Heimweg noch auf eine Bühnenshow einladen – und du bist gezwungen, wach, motiviert und strahlend auszusehen. Wird nix, versprech ich dir.
Ich will, dass dein Hund im Shooting er selbst ist – wach, aufmerksam, lebendig. Nicht perfekt, aber echt.

Vorbereitung ist kein Luxus, sondern Respekt
So wie ich auf Licht, Location, Technik und Perspektive achte, darfst auch du ein bisschen Vorarbeit leisten.
Ein gebürstetes, sauberes Fell, ein zufriedener, ausgeruhter Hund und vielleicht ein bisschen Lieblingsfutter im Gepäck machen schon einen riesigen Unterschied.
Es geht dabei nicht um Perfektion, sondern um Wertschätzung – deinem Hund gegenüber, dir selbst und am Ende auch meiner Arbeit.
Wenn du dir die Zeit nimmst, deinen Hund vor dem Shooting in Ruhe vorzubereiten, spürt er das. Er merkt, dass es etwas Besonderes ist, dass du ihn schön machst, dass ihr gemeinsam etwas erlebt.
Diese kleine Routine – kurz bürsten, durchatmen, vielleicht noch eine Streicheleinheit – sorgt oft für genau die ruhige, vertraute Stimmung, die man später auf den Bildern sieht.
Viele unterschätzen, wie sehr sich das auf die Fotos auswirkt.
Ein Hund, der sich wohlfühlt, strahlt das aus – in seiner Körperhaltung, in seinem Blick, in seiner gesamten Präsenz.
Und das kann man nicht künstlich herstellen, egal, wie gut die Kamera ist.
Wenn ein Hund müde, gestresst oder einfach „durch“ ist, dann sieht man das. Wenn er neugierig, entspannt und aufmerksam ist, dann spürt man das genauso.
Natürlich retuschiere ich kleine Dinge – Staub im Fell, etwas Augenschleim, kleine Verfärbungen. Aber stumpfes, verfilztes oder ungepflegtes Fell kann ich nicht einfach wegzaubern.
Ich kann nur das zeigen, was wirklich da ist. Und das ist auch gut so. Denn ein gutes Foto lebt nicht davon, dass alles makellos ist, sondern dass es echt ist.
Wenn du deinen Hund also vorher kurz durchbürstest, ihm Zeit zum Ankommen gibst und vielleicht ein paar Leckerli einpackst, ist das kein Aufwand, sondern Wertschätzung – gegenüber deinem Hund, der sein Bestes gibt, und gegenüber dem Moment, den wir gemeinsam festhalten.

Fazit
Ein Shooting ist keine Prüfung, sondern ein gemeinsames Erlebnis. Je entspannter du bist, desto entspannter ist dein Hund. Ein bisschen Hibbeligkeit, Spaß und Chaos gehören dazu. Genau das macht euch als Team aus – und genau das möchte ich festhalten.



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